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Blogbeiträge

Verständnis für Panda-Kinder: Ein Interview mit Mark Leonard



Im heutigen Blogbeitrag habe ich die Ehre, mit Mark Leonard zu sprechen, dem Autor des berührenden Buches „Mein einzigartiges Pandakind: Kinder im PDA-Autismus-Profil verstehen und den Familienalltag entspannen“. Mark teilt in seinem Buch wertvolle Einblicke und persönliche Erfahrungen aus dem Alltag von Familien, die mit dem Verhaltensprofil des Pathologischen Demand Avoidance (PDA) konfrontiert sind. Da PDA im deutschsprachigen Raum oft noch wenig bekannt ist, möchte Mark mit seinem Buch das Bewusstsein schärfen und betroffenen Familien Unterstützung bieten.


Lieber Mark, Du beschreibst sehr offen den Alltag von Panda-Familien. Was hat dich dazu bewegt, eure Erfahrungen und das Wissen über PDA mit anderen Eltern zu teilen?

Mark: PDA ist nach aktuellem Wissenstand ein Verhaltensprofil innerhalb des Autismus-Spektrums, das insbesondere im deutschsprachigen Raum noch recht unbekannt ist. Die meisten Menschen und selbst Fachkräfte haben noch nie davon gehört, weshalb betroffene Familien meist keinerlei Hilfen erhalten. Im Gegenteil: Oft wird die Schuld bei den Eltern gesucht, die ihr Kind offensichtlich nicht richtig erziehen können. Es kommt zu jeder Menge Gaslighting, Eltern lassen sich womöglich sogar dazu überreden, „härter durchzugreifen“, was die Situation nur noch mehr verschlimmert, und im schlimmsten Fall droht der Sorgerechtsentzug.

Als ich vor über zwei Jahren die Idee zu diesem Buch hatte, gab es noch so gut wie keine deutsche Literatur zu diesem Thema. Die wichtigste Informationsquelle stellten (und stellen immer noch!) die sozialen Medien dar. Ich wollte das Buch schreiben, das ich mir damals selbst gewünscht hätte, als ich das erste Mal auf PDA aufmerksam wurde. Ein Hybrid aus Ratgeber und Erfahrungsbericht, der zum einen die neurobiologischen Hintergründe erklärt, damit man verstehen kann, was da genau im Gehirn und im Körper eines Panda-Kindes abläuft, um das daraus resultierende Verhalten zu verstehen und sein Kind besser begleiten zu können. Und zum anderen eindrückliche Berichte realer Situationen, die es ermöglichen, in etwas einzutauchen, was man nicht wirklich nachvollziehen kann, wenn man es nicht selbst am eigenen Leib erlebt hat. Daher richtet sich mein Buch nicht nur an betroffene Eltern, sondern auch an Familie, Freunde, Erzieher*innen, Lehr- & Fachkräfte sowie alle nicht-betroffenen Eltern, die bereit sind, ihre eigene Elternschaft kritisch zu hinterfragen.



Viele Eltern fühlen sich bei starken Gefühlsausbrüchen ihres Kindes schnell überfordert oder allein. Was möchtest du diesen Eltern mit deinem Buch besonders mit auf den Weg geben?

Mark: Ich möchte ihnen zeigen, dass sie alles andere als allein sind. Dass es genügend andere Familien da draußen gibt, denen es genau so oder zumindest ähnlich geht. Und ich möchte ihnen ermöglichen, mit der Zeit eine radikale Akzeptanz zu entwickeln. Anzunehmen, dass das eigene Familienleben herausfordernder ist, als es bei vielen anderen Familien zumindest den Anschein hat. Aber dass wir es mit der richtigen Haltung und indem wir gemeinsam, im Team zusammenarbeiten, schaffen können, gut miteinander zusammenzuleben.


Dein Buch steckt voller alltagsnaher Beispiele – vom Zähneputzen bis zum Schulalltag. Welche kleinen Veränderungen im Umgang mit PDA-Kindern können deiner Erfahrung nach im Familienleben besonders viel Druck herausnehmen?

Mark: Das Wichtigste ist die Haltung, mit der Eltern ihrem Kind begegnen – das gilt für alle Familien und bei Panda-Familien umso mehr: zugewandt, bedürfnisorientiert und auf Augenhöhe. Dr. Ross Greene hat gesagt: „Kids do well if they can.” – und genau so ist es. Wir wissen mittlerweile, dass Kinder generell kooperieren wollen, wenn sie denn können. Können sie nicht, dann hat das in der Regel einen Grund und es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Bei PDA geht es häufig darum, dass alltägliche Anforderungen vermieden werden, weil sie einen Kontrollverlust und/oder ein Hierarchiegefälle darstellen, was sich für den Panda buchstäblich lebensgefährlich anfühlt. In der Folge schaltet er in den Überlebensmodus (Fight, Flight, Freeze, usw.), um sein Überleben zu sichern. Wenn Eltern Anforderungen reduzieren und darauf achten, dass sich das Nervensystem ihres Pandas mit Hilfe geeigneter Regulationsmöglichkeiten erholen kann, kann das den Familienalltag deutlich entspannen.


Mark hat mit seinem Buch eine richtig wertvolle Ressource geschaffen, die nicht nur betroffenen Familien, sondern auch Fachleuten und Freunden helfen kann, ein besseres Verständnis für die Herausforderungen von Panda-Kindern zu entwickeln.


Über den Autor

Mark Leonard ist Eltern-Coach, Content Creator und Vater eines „Panda-Kindes“.

Nach seiner Promotion in Elektrotechnik und Informationstechnik entschied er sich, der Forschung den Rücken zu kehren – um mehr Zeit mit seinem Sohn zu verbringen.

Auf seinem Instagramkanal @mark.my.thoughts begann er zunächst über aktive Vaterschaft und bedürfnisorientierte Erziehung zu schreiben. Bald kamen die Themen Hochbegabung und PDA (Pathological Demand Avoidance) hinzu – ein Verhaltensprofil, das nach aktuellem Wissensstand innerhalb des Autismusspektrums verortet wird.




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